Langfristige qualitative Prognosen zu den Auswirkungen der Euro-Einführung
Die EvoPro Financial Research GmbH ist spezialisiert auf die Erstellung von Finanzprognosen. Sie entwickelt dazu spezielle, intelligente Prognosemodelle für äußerst hochwertige Prognosen. Aufgrund ihrer umfangreichen Forschungsarbeiten im Währungsbereich, können zu den Auswirkungen des Euro teilweise empirisch fundierte qualitiative Aussagen gemacht werden.
Die Wahrscheinlichkeit einer gemeinsamen Währung wird inzwischen als recht hoch eingeschätzt. Im folgenden wird daher von einer gemeinsamen Währung ausgegangen und deren Wirkung zu prognostizieren versucht. Das folgende Prognose-Szenario dürfte - wenn der Euro kommt - die höchste Wahrscheinlichkeit besitzen.
Währungsprognose
Der Euro wird eine harte Währung, die in den ersten Jahren unter beträchtlichen Aufwertungsdruck kommt. Der US-Dollar wird stark fallen.
Im Leitwährungsdreieck US-Dollar, Euro, Yen wird der Euro von Beginn an unter Aufwertungsdruck stehen. Die Gründe hierfür bestehen in den beträchtlichen Leistungsbilanzüberschüssen, in deren Umfang zum Ausgleich der Zahlungsbilanz Euro nachgefragt werden müssen. Alle voraussichtlich im Euroland zusammengefaßten Länder dürften zusammen einen Leistungsbilanzüberschuß von weit mehr als 100 Mrd. US-Dollar pro Jahr haben, der möglicherweise sogar den Überschuß Japans übertrifft.
Im Kapitalbereich lockt der Euro mit den weltweit höchsten Realzinsen. Die Inflationsraten im Euroland dürften deutlich unter 2 Prozent liegen und das Zinsniveau ist höher als in den USA und mehr als doppelt so hoch wie in Japan. Staatliche (Finanz-) Investitionen in ähnlichem Umfang im außereuropäischen Ausland sind aufgrund der Introvertiertheit der Europapolitik nicht zu erwarten. Größere private Investitionen im Ausland sind bei fallenden Dollarkursen stark risikobehaftet und eher unwahrscheinlich.
Die Dispositionen der Zentralbanken schließlich werden den Aufwertungsdruck noch verstärken. Die Euro-Zentralbanken besitzen gemessen am Außer-Euro-Warenhandel viel zu viele Dollar-Reserven, da jetzt für den Handel in Europa keine Währungsreserven mehr gebraucht werden.. Umgekehrt besitzen die außereuropäischen Zentralbanken Euroreserven höchstens im Umfang ihrer ehemaligen DM-Reserven. Es wird daher zu beträchtlichen Umschichtungen von US-Dollar-Reserven in Euro-Reserven kommen. Diese Euro-Reserven werden zum Großteil in langlaufenden Anleihen angelegt.
Hauptverlierer wird der US-Dollar sein, der einen Teil seiner Leitwährungsfunktion an den Euro abgeben muß. Die USA stehen vor einem Exportboom, der von einem tendenziell zu schwachen US-Dollar hervorgerufen wird. Zinserhöhungen werden in den USA erfahrungsgemäß nur dann zu einer Verteidigung der Währung eingesetzt, solange die Binnenwirtschaft nicht zur Schwäche neigt.
Zinsprognose
Das Zinsniveau im Eurobereich wird weiter deutlich fallen.
Die Euro-Zentralbank wird anfangs darauf bedacht sein, dem Euro ein Image der Stabilität zu verleihen. Zinssenkende Maßnahmen werden tendenziell zu spät ergriffen werden. Dies wird die Kapitalzuflüsse in den Euro zusätzlich verstärken. Die Probleme eines starken Euro treffen die Euro-Zentralbank eher unvorbereitet.
Die Nachfrage nach Euro-Währung und Euro-Kapital wird in allen (Zinsbindungs-) Laufzeiten größer sein als das Angebot. Die Nachfrageüberschüsse entstehen durch die Exportüberschüsse, den hohen Realzins und die Euro-armen Reservepositionen den Zentralbanken. Dies wird zu steigenden Kursen der festverzinslichen Wertpapiere bzw. zu sinkenden Zinsen führen.
Die Euro-Kapitalimporte (=Exporte von Forderungsrechten in Euro) werden die Güterexporte tendenziell verdrängen. Der Euro wird zum Exportschlager werden. Eine ähnliche Entwicklung war auch beim US-Dollar zu beobachten, der - viel zu stark - den USA jahrelange Leistungsbilanzdefizite bescherte.
Das Zinsniveau wird aufgrund des starken Euros von mehreren Seiten unter Druck kommen:
Durch den fallenden Dollar werden die Importpreise sinken, was die Inflationsraten weiter zurückgehen läßt. Der Wettbewerbsdruck billiger Importe wird zinssenkend wirken ebenso wie die verschlechterten Exportchancen, die den Konkurrenzdruck im Inland zusätzlich verstärken werden. Ohnehin wird der Konkurrenzdruck und damit der Druck auf die Inflationsrate aufgrund der einheitlichen Währung und der besseren Vergleichbarkeit der Preise zunehmen.
Anfangs werden sich über die verteuerten Exporte die in US-Dollar berechneten Leistungsbilanzüberschüsse sogar noch erhöhen (atypische Reaktion der Leistungsbilanz). Erst nach einer Übergangszeit von schätzungsweise 1-2 Jahren werden die Mengenreaktionen so groß sein, daß sich die Leistungsbilanzüberschüsse vollständig zurückbilden.
Durch die Leitwährungsfunktion des Euro wird sich das Zinsniveau mehr als früher von den Zinsen im US-Dollar abkoppeln können. Eventuelle Zinserhöhungen in den USA können daher den Zinssenkungsprozeß im Euro nicht verhindern.
Aktienkursprognose
Aktienkurse werden weiter steigen, wobei die Kurse der Exportaktien underperformen. Es wird zu einem noch stärkeren Gleichschritt der Aktienkurse im Euro-Raum kommen.
Die sinkenden Zinsen und die massiven Kapitalzuflüsse werden die Euro-Finanzmärkte beflügeln. Die Unternehmen profitieren von der sinkenden Zinslast und die Aktien steigen, weil die Rendite alternativer Anlagen immer mehr sinkt. Aufgrund des fallenden Dollars werden Aktienkäufe im Ausland zunehmend riskant. Die sinkenden Zinsen unterstützen die Binnenkonjunktur. Die verbesserten Terms of Trade stärken die Kaufkraft im Euroland. Die Aktienkurse der Exportunternehmen werden durch den harten Euro unter Druck kommen. Zahlreiche Anbieter auf den internationalen Märkten werden ausscheiden müssen.
Beschäftigungsprognose
Die Arbeitslosigkeit im Euroraum wird stark ansteigen und immer massivere Umverteilungen zwischen den Ländern des Euroraumes werden einsetzen.
Durch die einheitliche Währung sind Preise direkt vergleichbar. Aufgrund des hierdurch verschärften Wettbewerbs werden die Zinsimpulse wahrscheinlich nicht ausreichen, um die Arbeitslosigkeit signifikant abzubauen.
Mit dem Euro ist eine Konzentration der Produktion auf die besten Standorte möglich. Während früher die Produktion in verschiedene Länder verlagert wurde, um Wechselkursrisiken auszuschalten, kann jetzt an den leistungsfähigsten Standorten alles produziert werden. Jobs werden im Euroland in großem Stil abgebaut. Verstärkt wird diese Entwicklung durch den tendenziellen Rückgang der Exporte aufgrund des starken Euros.
Unrentable Betriebe und wettbewerbsschwache Länder können sich keinen Vorteil mehr durch eine Abwertung verschaffen. Die Folge sind umfangreiche Firmenschließungen in den relativ wettbewerbsschwachen Ländern. Welche Länder dies sein werden ist noch offen. Steigende Löhne, hohe Steuern, eine starke Exportlastigkeit, politische Unsicherheit oder bürokratische Vorschriften verringern die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. Eine hohe Innovationskraft, ein hoher Ausbildungsstand und ein findiges Unternehmertum stärken die Wettbewerbsfähigkeit. Es steht zu befürchten, daß mit dem Abbau der Leistungsbilanzüberschüsse im Euroland zahlreiche Exportunternehmen schließen müssen.
Langfristige Aussichten
Nach einer Übergangsphase von mehreren Jahren wird der Euro schwach werden
Der starke Euro trifft Europa unvorbereitet. Der Export von Euro-Finanzanlagen verdrängt tendenziell die Güterexporte. Der Rückgang der Güter-Exporte in den außereuropäischen Raum und der verstärkte direkte Wettbewerb werden in Europa nach einer Übergangszeit eine strukturbedingte, hartnäckige Rezession auslösen.
Der Euro wird solange stark sein, bis sich die Leistungsbilanzüberschüsse abgebaut haben und sich in Defizite verwandeln. Dann wird der Euro unter Druck kommen. Es kommt dabei zu steigenden Inflationsraten und steigenden Zinsen. Es steht zu befürchten, daß bis zu diesem Zeitpunkt ein Gespinst lähmender bürokratischer Umverteilungsvorschriften Europa überzogen hat.
Innerhalb der Länder wird der bestehende Finanzausgleich lindernd wirken, wobei die Belastung der noch leistungsfähigen Regionen und Unternehmen bis zur Grenze ausgereizt werden wird. Zwischen den Ländern kommt es zu bisher nicht gekannten Ungleichgewichten.
Europa wird dann geteilt sein in Länder, die sich im harten Wettbewerb behaupten konnten und in Länder, die bei hoher Arbeitslosigkeit verarmt sind. In den wettbewerbsstarken Ländern sind Arbeitskräfte knapp und die Unternehmen wachsen kräftig. Die Warenströme fließen von den leistungsfähigen Ländern in die armen Länder, deren Unternehmen und Privatpersonen sich immer höher verschulden.
Bisher konnte eine solche Entwicklung über Wechselkursverschiebungen und eine nach Ländern differenzierte Geldpolitik verhindert werden. In Zukunft werden die wettbewerbsschwachen Länder verarmen. Wanderungsbewegungen zu den Zentren boomender Konjunktur werden wegen der Sprachprobleme und der geringen Mobilität der Europäer nur in geringem Maß einsetzen.
Mit Kohäsionsfonds, Strukturfonds, Krisenfonds, Entwicklungsfonds etc. wird versucht werden, die schwachen Regionen zu fördern. Ein wirksamer europäischer Finanzausgleich hätte gigantische Ausmaße und ist politisch kaum durchsetzbar. Er wird daher zu gering ausfallen. Die Mittel werden tendenziell ineffizient eingesetzt und die Betroffenen zu spät oder gar nicht erreichen. Die Besteuerung der leistungsfähigen Unternehmen wird diese schwächen und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit mindern.
Fatal wären schließlich Eingriffe, die sich am Beispiel der Agrarpolitik orientieren. Preis- und Mengenkontrollen, Schutzzölle, Kontingentierungen, Verrechnungspreise und direkte Investitionslenkungen würden dann den Niedergang Europas besiegeln.
Zu einer masssiven Kapitalflucht könnte es kommen, wenn zum Schutz des Euro und zur Wahrung der Währungsstabilität Kapitalverkehrskontrollen allein schon erwogen würden, wie sie in § 73 f der Maastrichter Verträge vorgesehen sind.